Verfasst von: Manu | Juni 6, 2016

Hitzelauf in der Europastadt an der Neiße oder die 5 km beim Europamarathon in Görlitz …

europamarathon

Die östlichste Stadt Deutschlands, das größte Flächendenkmal in Deutschland – das ist Görlitz an der Neiße. Nur etwa 35 km von dieser Stadt entfernt habe ich meine Kindheit verbracht. Damals kam ich nach Görlitz zum Shoppen oder für Parties.

Seit einigen Jahren zieht mich jedoch immer der Europamarathon in die Stadt an der Neiße. Bereits zum 13. Mal fand in diesem Jahr diese Laufveranstaltung statt. Die Besonderheit an diesem Lauf ist, dass er durch zwei Länder – Deutschland und Polen – führt.

Freitagabend erreicht ich nach etwa 2,5 Stunden Zugfahrt die Stadt Görlitz an der polnischen Grenze. Mein Hotel war diesmal das Hotel Bon Apart auf der Elisabethstraße – direkt am Start und Ziel des Europa-Marathons.

Görlitz

Das Wetter war an dem Abend noch so wunderbar, dass ich einen Spaziergang durch die prunkvolle Altstadt machte. Immer wieder bin ich begeistert von den hübschen Gebäuden aus verschiedenen Epochen. Etwa 4.000 Einzeldenkmale – unter anderem aus der Gotik, Renaissance und der Gründerzeit – erwarten die Besucher von Görlitz.

Vierradenmühle

Den Abend ließ ich dann bei einem leckeren Spargelgericht in der Vierradenmühle direkt an der Neiße mit Blick auf das polnische Zgorzelec ausklingen. 1945 wurde die Stadt übrigens geteilt – Görlitz auf der deutschen und Zgorzelec auf der polnischen Seite. Dabei diente die Neiße als Grenzmarkierung.

Am Samstagmorgen ließ ich es mir nicht nehmen meinen ersten Trainungslauf durch zwei Länder zu absolvieren. Durch die Teilnahme am Europamarathon war ich ja bereits viermal im Rahmen eines Wettkampfes durch zwei Länder gelaufen. Aber ein Trainingslauf fehlte noch. Ich startete an meinem Hotel und lief zum Ufer der Neiße.

Görlitz

Entlang des Flußes lief ich bis zur Stadthalle von Görlitz und überquerte dort die Johannes-Paul-II.-Brücke nach Polen. Auf der anderen Seite lief ich vorbei am Dom Kultury, der Oberlausitzer Gedenkhalle, durch den kleinen Wald wieder zum Ufer der Neiße und von dort zurück bis zur Altstadt-Brücke.

Altstadtbrücke Görlitz

Diese überquerte ich und war damit zurück in Deutschland. Noch wenige Meter durch die Altstadt von Görlitz und ich hatte nach 4,5 km meinen Ausgangspunkt wieder erreicht.

Im Anschluss bummelte ich durch Görlitz und bewunderte die seit kurzem ausgestellten Kunstobjekte im Rahmen von Kunst im öffentlichen Raum: Görlitzer ART. Dieses Projekt wird in Kooperation mit der polnischen Stadt Wrocław durchgeführt.

Görlitz

Außerdem warf ich einen Blick auf Görlitz von oben. Trotz Höhenangst meisterte ich die schmalen Treppen im Reichenberger Turm mit Bravour. Der Blick von oben entschädigte schließlich für alles.

Reichenberger Turm Görlitz

Am Nachmittag genoß ich mit meiner Schwester und ihrer Familie im Café Lucullus eine schlesische Spezialität: Mohnpiele. Diese Mohnklöße werden mit Eierlikör und Schlagsahne serviert und waren oberlecker!

Mohnpiele

Die Kalorien bummelten wir dann bei einem Spaziergang an der Neiße – sowohl auf der deutschen als auch auf der polnischen Seite – wieder ab.

Zgorzelec

Mit einer alten Freundin ließ ich dann den milden Abend im Piwnica Staromiejska, einem Restaurant, auf der polnischen Seite mit Blick auf die Neiße ausklingen.

Sonntag war es dann soweit: Europamarathon! Bevor die Läufer auf diverse Distanzen (Marathon, Halbmarathon, 10 km und 5 km) geschickt wurden, waren zunächst die Skater, Handbiker und Tretroller (!) dran.

Europamarathon

Es war sehr warm und das Thermometer zeigte 24° C im Schatten!

Ich war für die 5 km gemeldet und darüber war ich in Anbetracht der Wärme auch froh. Bei den vorherigen Teilnahmen war ich einmal den Halbmarathon, zweimal die 10 km und einmal die 5 km gelaufen.

Die Startgebühr hatte übrigens 8 Euro betragen. Enthalten war eine Portion Pasta sowie Medaille und Urkunde im Ziel.

10:50 Uhr erklang der Startschuss für fast 500 Läufer über die 5 km. Es war auf den ersten Metern etwas eng und gab sogar einen Sturz. Vorbei am Reichenberger Turm und dem Kaisertrutz liefen wir Richtung Altstadtbrücke.

Kaisertrutz

Dort empfing uns auf der polnischen Seite eine Blaskapelle. Diese hatte ich aus den Vorjahren noch in guter Erinnerung.

Leider hatte ich nicht richtig aufgepasst und zu spät auf die Starttaste bei meiner Uhr gedrückt. Somit hatte ich nicht wirklich einen Überblick, wie ich in der Zeit lag.

Europamarathon

Auf der polnischen Seite liefen wir an der Neiße entlang und dort konnte ich kaum die Wasserstation erwarten. Mir war sehr warm. Glücklicherweise gab es immer wieder schattige Passagen und die nächste kam schon bald im kleinen Wäldchen. Doch leider erwarteten uns dort auch steile Anstiege. Ich wollte mir jedoch nicht die Blöße geben und verfiel nicht ins Gehen 🙂

Dom Kultury Zgorzelec

Vorbei am Dom Kultury liefen wir dann wieder Richtung Johannes-Paul-II.-Brücke und verließen Polen.

Zgorzelec

Wieder in Deutschland war dann Kilometer 4 erreicht und dort ging es dann leider wieder nach oben. Der Anstieg am Stadtpark hatte es noch einmal richtig in sich! Ich war froh, dass es nur noch wenige Meter waren.

Nach links auf den Elisabethplatz abbiegen und da war dann auch schon das Ziel zu sehen. Soweit es ging, versuchte ich noch einmal Gas zu geben und bei genau 27:00 min erreichte ich das Ziel. Die Zeit hatte ich erst danach erfahren – hätte ich gewußt dass ich noch unter 27 Minuten finishen kann, wäre ich noch ein wenig schneller geflitzt 🙂

Im Ziel gab es die Medaille – leider gibt es nicht mehr die Glasmedaillen, die es vor einigen Jahren immer gab.

Europamarathon

Diverse Getränke und Obst warteten auf die verschwitzten Läufer. Ich genoß eine Apfelsaftschorle und begab mich zum Augustum-Annen-Gymnasium. Dort gab es am Vortag die Startunterlagen und ich holte mir hier meine Urkunde ab. Platz 3 (von 24) in der Altersklasse und Platz 30 (von 228 ) bei den Damen war es geworden.

Europamarathon

Danach nur noch schnell im Hotel duschen und schon war es wieder Zeit mich auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Kurz vor 13 Uhr fuhr der Zug ab. Bis zum nächsten Jahr, Görlitz!

Fazit: Der Europamarathon ist eine wunderbar organisierte Laufveranstaltung und bietet die einmalige Chance durch zwei Länder zu laufen. Außerdem ist Görlitz auch ohne Lauf immer eine Reise wert – eine gut erhaltene Altstadt mit prächtigen Häusern und Fassaden. Nicht ohne Grund wurden hier bereits einige Filme gedreht, so dass Görlitz auch mittlerweile als Görliwood bekannt ist.

Ausstattung: PureFlow von Brooks, Shorts und Shirt von Brooks, Fitbit Surge, Formbelt


Responses

  1. Wieder einmal ein schöner Bericht, der Lust auf einen Besuch der Stadt macht. Die Veranstaltung hört sich auch toll an. Zumal auch nicht so groß.

    Mit der Wärme hatte ja einige an diesem Wochenende zu kämpfen. In Berlin war es bei meinem 15km Lauf auch nicht ohne. Aber besser so, als all die Überschwemmungen oder sogar abgesagte Wettkämpfe.

    • Oh, 15 km hätte ich bei der Wärme ja nicht laufen wollen … Aber wie Du geschrieben hast, besser als Überschwemmung oder Absage. Letztes Jahr hatte uns beim Lauf ja ein Gewitter überrascht, aber wir durften weiterlaufen.

  2. Ah, ich mag auch diese Sightseeing-(Trainings-)Läufe sehr! Und der Wettkampf klingt auch sehr gut, obwohl mir da 5 km für die Anreise zu kurz wären. Glückwunsch zu deiner tollen Platzierung!

    • Vielen Dank Andreas!

  3. Hätte nicht gedacht, dass Görlitz so schön ist. Danke für die Aufklärung. Und wann steht dann der erste Lauf über zwei Kontinente an?

    • Ja, Görlitz ist eine sehr schöne Stadt! Der erste Lauf über zwei Kontinente ist für Istanbul geplant – steht aber noch kein Termin fest 🙂


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