Verfasst von: Manu | Juni 8, 2015

Gewitterlauf in der Grenzstadt oder die 10 km beim Europamarathon in Görlitz

Europamarathon Görlitz

Kennt Ihr die Oberlausitz? Diese Region liegt im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien und genau dort wurde ich vor vielen Jahren geboren.

Somit ist doch klar, dass ich ab und an auch einmal in meiner alten Heimat laufen muss. Und daher hat es sich schon fast eingebürgert, dass ich im Juni immer einen Abstecher nach Görlitz zum Europamarathon mache. Diese Laufveranstaltung in der östlichsten Stadt Deutschlands findet in diesem Jahr bereits zum 12. Mal statt. Dreimal hatte ich bisher bei diesem Laufevent teilgenommen – über die 5 km, 10 km und den Halbmarathon. In diesem Jahr sollten es erneut die 10 km werden.

Ursprünglich hatte ich geplant am Samstagvormittag mit dem Zug nach Görlitz zu fahren. Doch dann kündigte sich hochsommerliches Wetter an und ich hatte die Idee doch schon am Freitagnachmittag nach der Arbeit den Zug zu nehmen und den Tag vor dem Lauf in der Stadt Zittau am Fuße des Zittauer Gebirges (das kleinste Mittelgebirge Deutschlands) zu verbringen. Mein Ziel sollte dort das Hotel am Olbersdorfer See sein. Dieses Gewässer entstand aus einem ehemaligen Tagebau und seit Ende der 90er-Jahre kann darin gebadet werden. Ich hatte schon einige schöne Sommertage an dem See verbracht und war froh, dass es noch ein freies Zimmer im Hotel für mich gab.

Zittau

Freitagabend erreichte ich (leider mit Verspätung) den Bahnhof in Zittau und wurde von meiner Schwester abgeholt. Wir fuhren an den Olbersdorfer See und nach dem Einchecken chillten wir entspannt auf der Hotelterasse bei einem leckeren Wein.

Haus am See Olbersdorf

Am nächsten Morgen freute ich mich schon riesig auf das Laufen am See. Die Laufstrecke führt einmal um den See und man ist dort fast ganz für sich allein mitten in der Natur. Sonnenschein, blauer Himmel und Vogelgezwitscher – was will man mehr! Ich laufe dort so gern!

Olbersdorfer See

Obwohl es erst kurz nach 8 Uhr war, kam ich schnell ins Schwitzen und dachte schon mit Bangen an die 10 km in Görlitz am nächsten Tag.

Olbersdorfer See

Nach dem Lauf entspannte ich beim Frühstück auf der Hotelterasse und danach ging es gleich wieder an den See. Der Steg war noch leer – nur ein paar Enten hatten es sich dort bequem gemacht. Ein erster Test mit den Füßen war noch nicht so vielversprechend, aber dann war ich mutig und ließ mich einfach ins Wasser fallen. Und es war dann so toll! Durch das Schwimmen wurde mir schnell warm und ich genoss das erste Bad im Freien in diesem Jahr total! Ach, war das schön!

Olbersdorfer See

Am liebsten hätte ich den ganzen Tag auf dem Steg am Olbersdorfer See verbracht, aber ich wollte ja weiter nach Görlitz. Mit dem Zug sind es 40 min von Zittau in die zweigeteilte Stadt an der Neiße.

Görlitz

Nach dem Einchecken im Hotel auf dem Neumarkt bummelte ich ein wenig durch die wunderschöne Altstadt von Görlitz. Ich bin immer wieder begeistert von den toll anzusehenden Gebäuden! Die Stadt ist übrigens mit über 4.000 Denkmälern das größte Flächendenkmal Deutschlands.

Görlitz

Schließlich holte ich die Startunterlagen im Augustum-Annen-Gymnasium ab. Für 12 Euro erhielt ich neben der Startnummer nur noch eine Packung Pflaster und einen Kugelschreiber. Allerdings gab es auch einen Gutschein für eine Portion Pasta am Abend – diese würde ich mir jedoch nicht abholen können, da ich andere Pläne hatte.

Görlitz

Anschließend bummelte ich noch an der Neiße entlang – sowohl auf der deutschen als auch auf der polnischen Seite in Zgorcelec. Dort schaute ich mir das Kulturhaus (Dom Kultury) an. Ich wußte vom letzten Mal, dass die Laufstrecke dort vorbeiführt und wollte mir dieses Gebäude unbedingt einmal in Ruhe ansehen.

Dom Kultury

Da es doch sehr warm war, machte ich dann im Café 13 auf der deutschen Seite eine kleine Pause und genoss Schlesische Mohnklösse, geschichtet im Glas mit Vanilliensoße. War das lecker!

Schlesische Mohnklöße

Am Abend schließlich traf ich zwei ehemalige Mitschülerinnen wieder und wir genoßen den Abend im Restaurant Piwnica Staromiejska direkt an der Neiße auf der polnischen Seite.

Zgorcelec

Am Sonntagmorgen zeigten sich dann leider graue Regenwolken am Himmel und in der Tat begann es kurz vor dem Lauf zu regnen.

Europamarathon Görlitz

Carsten und seine Freundin holten mich im Hotel ab und wir liefen die wenigen Meter bis zum Start auf der Elisabethstraße zu Fuß. Zunächst tröpfelte es nur, doch der Regen wurde dann leider immer stärker. Glücklicherweise war es noch relativ mild.

10:50 Uhr erfolgte fast unbemerkt der Startschuss und das Feld von knapp über 300 Teilnehmern setzte sich in Bewegung.

Europamarathon

Leider schaffte ich es nicht meine Uhr rechtzeitig zu starten (das GPS-Signal ließ auf sich warten), so dass ich ohne wirkliche Zeitmessung laufen würde. Aber die 10 km beim Europamarathon sind aufgrund der vielen Höhenmeter sowieso nicht bestzeitentauglich.

Bei etwa 1,5 km verließen wir Deutschland über die Altstadtbrücke und liefen dann weiter auf polnischem Gebiet in Zgorzelec. An der Neiße entlang liefen wir zum Park Ujazdowski, in welchem sich das Kulturhaus befindet. Doch bevor wir dieses erreichten, standen die ersten Höhenmeter an. Ich war bereits total nass und dann auch noch bergauf – irgendwie hatte ich da schon keine Lust mehr. Außerdem war Donnergrollen zu vernehmen und einen Blitz hatte ich auch gesehen.

Aber ich hatte wohl keine andere Wahl – ich musste weiterlaufen!

Wir liefen dann kreuz und quer durch Zgorzelec und mir kam dann die Strecke doch noch vom letzten Jahr bekannt vor. So einige Höhenmeter kamen noch hinzu und wir liefen wir eine ganze Weile in dem Park bis es wieder auf die Straße ging. Schließlich war eine Runde um ein Stadion zu bewältigen und da hatten wir dann schon sieben Kilometer geschafft. Völlig nass und orientierungslos was meine Zeit betraf, setzte ich einen Fuß vor den anderen und hoffte darauf, dass der Regen irgendwann aufhören würde. Das tat er dann in der Tat – aber nur um kurz danach umso heftiger wieder einzusetzen.

Görlitz

Schließlich überquerten wir erneut die Neiße und liefen über die Papst-Johannes-Paul-II.-Brücke zurück nach Deutschland. Dort erwartete uns erneut ein Getränkepunkt. Auch wenn es genügend Nass von oben gab, so hatte ich doch bei allen Verpflegungspunkten immer zugelangt. Denn trotz der Nässe war mir recht warm.

Europamarathon

Auf dem letzten Kilometer galt es erneut einen Anstieg zu bewältigen und dann kam endlich das Ziel auf der Elisabethstraße in Sicht. Bei 56:33 min erreichte ich dieses und war damit über 3 min schneller als im Vorjahr. Platz 10 (von 33) in der Altersklasse bedeutet das.

Europamarathon

Ich ließ mir meine Medaille umhängen und holte mir noch Apfelsaftschorle zu trinken. Doch dann wurde mir schnell kalt. Ich ließ mir nur noch meine Urkunde ausdrucken und dann rannte ich zum Hotel, in dem eine heiße Dusche auf mich wartete. Die tat wirklich gut!

Als ich auf dem Weg zum Bahnhof war, hörte doch in der Tat der Regen plötzlich auf und die Sonne tauchte am Himmel auf. Na ja …

Görlitz

Alles in allem, war es trotz Gewitterlauf ein schönes Wochenende in der Oberlausitz! Und ich bin froh, dass ich mich spontan noch für einen Tag mehr entschieden hatte. 2016 hoffe ich dann auf besseres Wetter beim Europamarathon in Görlitz! Und vielleicht ist ja dann am Vortag auch wieder ein Bad im Olbersdorfer See drin.

Ausstattung: PureConnect von Brooks, TomTom Runner Cardio

 


Responses

  1. […] Schönstes Erlebnis: Europamarathon Görlitz […]

  2. Hab gestern an dich gedacht, glaub ich geb mir den Lauf nächstes Jahr mal. Das Bad im See klingt toll, waren letzte Woche auch das erste mal dieses Jahr baden….genial!
    Du bist nicht allein mit den Regenläufen, hatte so ein Regenproblem beim Berglandlauf in Hammerbrücke letztes Jahr.
    Hier mal der Link, aber der Inhalt ist recht ähnlich: nass, kalt, Regen…
    http://laufspatz.blogspot.de/2015/03/berglandlauf-hammerbrucke.html.

    Gute Erholung 🙂

    LG Isa

    • Oh, das wäre ja super, wenn wir uns nächstes Jahr in Görlitz sehen würden! Die Stadt ist wirklich eine Reise wert! Und Deinen Regenartikel werde ich auch gleich mal lesen. Hoffen wir dass wir in der nächsten Zeit nicht mehr über solche nassen Läufe berichten müssen 🙂

  3. Schade, solche Regenläufe hassen wir auch … aber dafür ist die Zeit doch wirklich gut. Interessierter haben wir gelesen, dass du vor dem frühstück laufen kannst – hat Frauchen einmal probiert, der Hungerast war vom Feinsten 😉
    Viel Sonne 2016 wünschen wir!

    • Ne, mit leerem Magen kann ich leider auch nicht laufen. Hatte mir extra für diesen Zweck Schokomilch mitgebracht, die es mal bei einem Lauf gab. Hätte ich sonst nicht getrunken, aber für so einen Zweck war sie perfekt 🙂

  4. Ich war noch nie in der Ecke: Das sieht ja total schön aus! Muss ich mir merken : ) Und diese Idee des „grenzüberschreitenden Laufens“ finde ich super! Sonnige Grüße, Jutta

    • Ja, meine alte Heimat ist auch sehr schön. Vor allem nach Görlitz solltest Du einmal fahren!

  5. […] Görlitz kann man den Europa-Marathon bestreiten, wie Manu […]


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