Verfasst von: Manu | März 2, 2015

Ein fast wahr gewordener Alptraum in Tel Aviv oder der Halbmarathon beim Tel-Aviv-Marathon …

Tel Aviv Marathon 2015

Kennt Ihr den Alptraum eines jeden Läufers? Schon oft habe ich mich nachts unruhig im Bett gewälzt, da ich von einem verpassten Start bei einem Lauf geträumt habe. Meist hatte im Traum verschlafen oder habe irgendwie den Weg zum Start unterschätzt. Im realen Leben ist mir dies jedoch noch nie passiert und auch sonst bin ich eher nicht der Typ fürs Verschlafen.

Doch in Tel Aviv sollte dieser Alptraum wahr werden …

Mittwochnacht flog ich mit Air Berlin nach Tel Aviv, in die zweitgrößte Stadt Israels. Nach weniger als vier Stunden flog traf ich am sehr frühen Morgen auf dem Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv ein.

Die Einreise klappte auch unproblematisch und ich erzählte dem Grenzbeamten, dass ich wegen dem Halbmarathon gekommen war. Das bestellte Taxi war glücklicherweise auch da und kurz vor 5 war ich schließlich in meinem Apartment im Zentrum von Tel Aviv. Erstmal schlafen!

Tel Aviv Marathon

Gegen Mittag hatte ich ausgeschlafen und traf mich mit meinem Berliner Lauffreund aka Laufgazelle. Zunächst besuchten wir die Marathonmesse des Tel-Aviv-Marathon auf dem Rabin-Platz. Neben dem Marathon und Halbmarathon standen noch 10 und 5 km zur Auswahl. Ich wollte eigentlich zunächst die 10 km laufen, aber hatte mich aufgrund der Streckenführung dann doch für die zweitlängste Distanz entschieden. Die Startgebühr betrug 46 Euro und enthalten war ein schickes Funktionsshirt in lila. Ein ärztliches Attest musste man übrigens auch einreichen – zur Not hätte man jedoch auch einen Arzt vor Ort dafür gefunden.

Auf der Messe war es relativ leer und somit hatte ich schnell meine Startunterlagen. Neben diversen Flyern waren in der Startertüte noch einige Proben enthalten.

Danach zeigte mir Laufgazelle die Stadt. Zunächst waren wir am Strand und später besuchten wir den Carmel-Markt, welcher mich sehr an Marrakesch erinnerte. Und schließlich aßen wir lecker  Falafel.

Carmel Markt Tel Aviv

Ich war übrigens bereits am Mittwoch nach Tel Aviv angereist, dass es nur bis zu diesem Tag die Startunterlagen gab. Der Grund hierfür erschließt sich mir zwar nicht, aber na ja. Immerhin hatte ich so einen zusätzlichen Tag für den Strand, denn an diesen begab ich mich am Donnerstag. Es war bereits sehr warm und der Strand war relativ leer. Womit ich nicht gerechnet hatte, war jedoch, dass man sofort angesprochen wird und das nicht nur einmal 🙂

Tel Aviv

Am Abend ging ich zeitig ins Bett und kontrollierte zweimal den Alarm auf meinem Handy.

Und dann nahm das Unglück seinen Lauf … Ich wunderte mich am Freitagmorgen beim Aufwachen warum es schon so hell war, obwohl ich doch um 5 Uhr aufstehen wollte. Der Blick auf das Handy zeigte mir dann, dass es bereits nach halb 7 war. Der Start sollte um 7:30 Uhr sein und das große Problem bestand darin, dass sich der Start etwa 5 km von meinem Apartment entfernt befand. Es gab auch keine öffentlichen Verkehrsmittel dahin, sondern ich hatte geplant den Weg zu Fuß zurückzulegen.

Mein erster Gedanke war, dass ich mich wieder hinlege und ich dann wohl nächstes Jahr noch einmal nach Tel Aviv kommen muss. Aber dann sagte ich mir, dass ich es wenigstens versuchen muss. Vielleicht hatte ich ja Glück und fand ein Taxi …

Ohne Zähneputzen und Frühstück stürzte ich mich Stadtplan bewaffnet aus dem Haus und hatte wenigens noch zwei Bananen für unterwegs dabei.

Die Straßen waren bereits für den Marathon gesperrt und ich sah auch bald die ersten Läufer. Sie hatten bereits 5:45 Uhr an der Startlinie gestanden Die Starts für alle Läufe wurden ja nur wenige Tage vorab noch einmal vorverlegt, dass es beim Lauf so warm werden sollte.

Ich bin dann gerannt und hoffte, dass ich es irgendwie bis zum Start schaffen würde. Als ich mich so langsam dem Startbereich näherte, stellte ich fest, dass ich nicht die Einzige war, die noch auf dem Weg dorthin war.

Etwa einen Kilometer vor dem Start sah ich dann auch die Läufer der 10 km und schließlich die erste Startgruppe vom Halbmarathon.

Tel Aviv Marathon

Ärgerlich war dass ich noch einen Umweg laufen musste um überhaupt in den Startbereich zu kommen. Aber dann war es geschafft. Kurz vor halb 7 stand ich an der Startlinie und ich war so happy! Aber ich war auch sehr skeptisch, wie ich mit der Vorbelastung noch einen Halbmarathon laufen sollte. Was, wenn sich das fehlende Frühstück bemerkbar machen würde oder aber wieder mein Knie?

Ich beschloss alles ganz langsam angehen zu lassen und es war ja auch sowieso sehr warm. Die Sonne schien und wir hatten da sicherlich schon fast 20° C.

Wir liefen zunächst Richtung Strand und bereits auf dem Weg dahin gab es die erste Wasserstation, an der kleine Flaschen ausgehändigt wurden. Am Strand kannte ich mich dann schon gut aus und dort war dann auch die nächste Verpflegungsstation.

Tel Aviv Marathon

Ich ging immer wieder und war glücklich, dass ich dabei war. Unterwegs knipste ich viele Bilder und genoß einfach die Stimmung. Zuschauer gab es nicht so wirklich viele, aber dafür hatten wir wunderbares Wetter!

Am schönsten war der Streckenabschnitt am Meer entlang – danach ging es mehr in die Stadt und dort gab es dann sogar kostenfrei Internet und ich twitterte erstmalig bei einem Lauf. Aber ich wollte doch unbedingt kundtun, dass ich es doch zum Lauf geschafft hatte 🙂

Tel Aviv Marathon

Nachdem die Hälfte der Strecke geschafft war, wußte ich, dass jetzt eigentlich nichts mehr passieren kann. Zur Not hätte ich den Rest der Strecke auch nur gehen können. Aber ich hatte noch nicht einmal irgendwelche Probleme. Und auch etwas Energie bekam ich noch, denn es gab an zwei Verpflegungsstationen unterwegs noch Isogetränke.

Tel Aviv Marathon

Unterwegs standen am Streckenrand übrigens ab und an Uniformierte mit Maschinengewehr. Aber dafür waren die Kontrollen im Start- und Zielbereich eher etwas lasch.

Schließlich hatten wir wieder die breite Straße namens Rokach Avenue erreicht, auf der wir gestartet waren und auch wieder finishen sollten. Noch einmal über die große Brücke und dann war das Ziel nicht mehr weit.

Tel Aviv Marathon

Mit meiner langsamsten Zeit in diesem Jahr (2:33 h) lief ich über die Ziellinie und war happy – und hungrig! Daher freute ich mich sehr, dass es nach der Ausgabe der Medaille auch gleich ein Eis gab und später noch Wasser und Joghurt.

Tel Aviv Marathon

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich mich erstmal ausruhe, wenn ich das Ziel erreicht habe, aber ich machte mich dann doch gleich wieder auf den Weg zurück. Diesmal legte ich jedoch die 5 km ganz normal im Gehen zurück. Alles in allem hatte ich also an diesem Tag mehr als 30 km zu Fuß zurückgelegt.

Beinahe hätte ich übrigens ein zweites Mal an diesem Tag noch Pech gehabt. Wie ich erst im Apartment erfuhr, wurde der Marathon aufgrund der Temperaturen abgebrochen. Wenn das auch beim Halbmarathon passiert wäre, dann wäre das Drama perfekt gewesen!

Tel Aviv Marathon

Das schöne Wetter an dem Tag musste ich natürlich nutzen und so war ich am Nachmittag noch einmal am Strand. Diesmal suchte ich mir extra einen ruhigen Platz auf den Felsen, aber es hat nicht geholfen. Erneut sprachen mich zwei Männer an …

Am Samstag stand dann ein Ausflug ins historische Jaffa, südlich vom Tel Aviver Zentrum, an Natürlich wurden die fünf Kilometer dorthin auch zu Fuß zurückgelegt 🙂 Aber meinen Beinen ging es ganz gut und in Jaffa selbst wurde dann entspannt im Hafen die Shakshouka probiert.

Jaffa

Sonntag war dann leider der Tag der Abreise und ich konnte mir es nicht nehmen lassen noch einmal am Strand zu laufen – so schön!

Tel Aviv

Ich bin mir sicher, dass ich nicht das letzte Mal in Tel Aviv war. Der Tel-Aviv-Marathon ist ein gut organisiertes Laufevent und auf jeden Fall eine Reise wert! Und so ganz nebenbei bin ich meinen Halbmarathon Nummer 24 in Land Nummer 24 gelaufen 🙂

Schalom!


Responses

  1. Nur gut, dass doch noch alles gut gegangen ist 🙂

    • Oh ja, da bin ich auch wirklich froh!

  2. Hat dies auf frankenhain rebloggt und kommentierte:
    Interessante Eindrücke vom Halbmarathon in Tel Aviv

    • Danke für das Rebloggen!

  3. Hallo Manu,
    ja, diesen Albtraum kennen wir – glücklicherweise ist das Frauchen noch nie passiert. Beim Start schon 5 km in den Knochen haben und dann noch ohne / mit wenig im Magen – da kann man nur sagen „Anerkennung und Glückwunsch“. Gut, dass Du und auch Laufgazelle gesund durchgekommen seid. Dass Ihr uns aber andauernd und live mit Fotos von Falafeln quälen musstet, verzeihen wir nicht so schnell 😉

    • Ich dachte eigentlich auch nicht, dass mir das mal passieren würde. Aber ist ja noch alles gut geworden 🙂 Nun stelle ich mir am besten immer zwei Wecker!

  4. Wieder mal eine geniale Reise und am Ende ist alles gut gegangen.
    Wie hat Kilian Jornet mal passend gesagt: more kilometers more fun! 😉

    • Ja, Ende gut – alles gut! 🙂 Und der Spruch von Kilian ist gut!

  5. Wahnsinn, was du da erlebt hast und wie du diesen Alptraum gemeistert hast. Glückwunsch von uns zu diesem Finnish! Bisher hatte ich zum Glück diesem Alptraum noch nicht erlebt… Geträumt hatte ich bisher nur, dass ich mal mit FlipFlops am Start stand. 🙂

    • Vielen lieben Dank, Dany! Hoffe Du wirst diesen Alptraum auch nie erleben!

  6. Deine langsamste Zeit?! Ich wäre gern so schnell.. und dann noch bei den Temperaturen. Herzlichen Glückwunsch Liebes!

    • Lieben Dank!

  7. Ohje, ich wäre glaube ich völlig überfordert gewesen mit der Situation.
    Gut das du es doch noch geschafft hast.

    • Ja, ich musste mich auch erstmal fassen und überlegen was ich jetzt wie mache nach dem Aufstehen 🙂

      • Das glaube ich gern.

  8. Wie schon bei Twitter geschrieben. Glückwunsch und die Sicherheit, dass Dir dieser Lauf noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
    Die Bilder sind toll, sieht alles sehr interessant dort aus – und Sonne ist jetzt sicher nicht zu verachten, auch wenn es schon sehr warm war.

    • Vielen Dank! Und ja, diesen Lauf werde ich wohl nie vergessen und er wird mich immer daran erinnern, am besten zwei Wecker zu stellen 🙂

  9. Schön geschrieben und tolle Bilder meiner Stadt! Super hast dus noch rechtzeitig geschafft!

    • Vielen lieben Dank!

  10. […] Schönstes Erlebnis: Halbmarathon Tel Aviv […]

  11. […] Details zum Marathon in Tel Aviv hat „Laufwelt“ für uns. Zudem erfahren wir dort, was passiert, wenn man den Start fast […]

  12. hehe das ist auch echt mein Albtraum…Handywecker scheinen wirklich nicht die verlässlichsten zu sein. Schön, dass es doch noch geklappt hat und vllt steht ja jetzt deinem ersten Marathon nix im Weg, wenn du schon aus dem Stand 30k an einem Tag zuruecklegen kannst:D

    • Ach, ein Marathon ist immer noch nicht geplant 🙂 Ich glaube 2015 wird das Jahr der Halbmarathons …


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